Die Geschichte

Zunftgeschichte von der Gründung bis heute

Die Anfänge (1968 – 1971)

Man versetze sich zurück in das Grötzingen des Jahres 1968. Die Fasenacht spielte sich damals lediglich in Lokalen oder Vereinsheimen ab, so auch im Gasthaus „Zum Goldenen Ochsen“. Von alemannischer Fasnet war nur ein Hauch zu spüren. Am „Schmutzige Dunschdich“, dem 22. Februar, verkleidete sich, angeregt von den Wirtsleuten Anna und Karl Kurz, eine Stammtischrunde von 15 Personen als Schlumpeln und schnurrten bis in die Morgenstunden.

Am nächsten Tag brachte Gerhard Vogt eine Idee auf den Tisch: Warum nicht als Hexengruppe am Durlacher Umzug teilnehmen? So nahm das Schicksal mit den „Pfinztal-Hexen von der Hätten-Hatten-Hohl“ seinen Lauf. Kurzfristig wurde für den Fasenachtsdienstag ein Umzug durch Grötzingen organisiert, am Laubplatz Fasenachtsküchle und Griebenbolzen verteilt und bei Einbruch der Dunkelheit Eulalia I. verbrannt. Der erste Schritt war getan.

Am 11.11.1968 fand schließlich die Gründungssitzung der Hottscheck-Hexen Grötzingen statt. Unter Leitung des ersten Vorsitzenden Hubert Wingerath feierten bereits 1969 der Hexenball und der Rathaussturm Premiere. Auch der Hexenruf „Narri-Narro, die Hottscheck-Hex’ isch do!“ wurde geboren, und die aktiven Mitglieder traten erstmals im einheitlichen Häs auf. 

1971 wurde Gerhard Vogt zum Zunftmeister gewählt, Hubert Wingerath wurde Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Grötzingen und musste seine Anstrengungen der neuen, wichtigen Aufgabe widmen.

Altes Farbbild zeigt die ersten Hottscheck-Hexen im Häs und mit ihrer ersten Maske bei einem Umzug
Schwarz-Weiß-Foto zeigt eine Gruppe Hottscheck-Hexen in den frühen Jahren der Zunftgeschichte
Schwarz-Weiß-Bild zeigt ausgelassene Fastnachter der frühen Hottscheck Narrenzunft in einem Wirtshaus
Altes Farbbild zeigt Hottscheck-Hexen mit ihrer ersten Maske und einem bunten Holzkarren beim Umzug

Wachstum und eine eigene Holzmaske (1972 – 1984)

Am 29. Februar 1972 erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister des Amtsgerichts Durlach, ein wichtiger Meilenstein für die junge Zunft. Mit wachsendem Zuspruch zog der Hexenball von „Goldenen Ochsen“ in die TSV-Halle auf dem Grollenberg um. Das Programm wurde von der Zunft weitgehend in eigener Regie gestaltet. Namen wie Kurt Heidt, Fritz Hammer, Wilfried Jung, Ursula Vogt oder die Dorfschlappen Elisabeth Bartl und Helga Wendland prägten die Bühne. Auch die Ringelsockensänger um Wingerath, Heidt und Vogt sorgten für Stimmung

1974 schnitzte Holzbildhauer Konrad Wernet aus Elzach die ersten Hexenmasken nach Zunftentwurf – bis heute das unverwechselbare Gesicht der Hottscheck Hexen. 1975 wurde der Hexenmarkt ins Leben gerufen, 1978 folgte der Weinmarkt an Christi Himmelfahrt. 1977 trat man außerdem dem Festausschuss Karlsruher Fastnacht (FKF) bei, womit sich die Kontakte zu Karlsruhe, dem Schwarzwald und in die Schweiz weiter festigten.

Zum „1×11“-Jubiläum 1979 zog man in die neu gebaute Emil-Arheit-Halle um und stellte erstmals die grünen Uniformen für den Zunftrat vor. Auch der Herbst-Astern-Ball und die „Straßenfeger“ Wolfgang Wangler, Uwe Reiser, Udo Dohm und Klaus Metzger fanden ihren festen Platz im närrischen Kalender.

Von der Hexenzunft zur Narrenzunft (1985 – 1995)

1985 wurde Siegfried König zum Zunftmeister gewählt. Mit der Fertigstellung des umgestalteten Rathausplatzes verlagerten sich Weinmarkt, Hexenmarkt und Hexenverbrennung dorthin – ein Schritt, der sich als vorteilhaft erwies.

1990 erfolgte ein entscheidender Wandel, die Hottscheck-Hexenzunft wurde zur Hottscheck-Narrenzunft Grötzingen e.V.. Damit wurde der Weg frei für neue Gruppen. Schon am 11.11.1991 gründeten sich die Noten-Chaoten, die später mit Auftritten, eigenen CDs und sogar internationalen Reisen unter anderem nach Nancy, Nottingham und Spanien, bekannt wurden.

Im gleichen Zeitraum wurde der Förderverein ins Leben gerufen. 
Das Grötzinger Narrengericht versammelte sich 1992 zu seiner ersten Verhandlung auf dem Rathausplatz. Als erster Angeklagter musste sich der damalige KSC-Präsident Roland Schmider vor dem Grötzinger Narrenrichter Hubert Wingerath verantworten. 

In der Schultheiß-Kiefer-Straße wurde eine Steinhexe vom Bildhauer Ralf Löffler aufgestellt und seither blickt sie hinüber zum Rathausplatz.

Zum ersten Närrischen Seniorennachmittag lud die Hottscheck Narrenzunft im Januar 1993 in die Begegnungsstätte Grötzingen. Zunächst in eigener Regie und ab 1998 in Kooperation mit der KaGe Blau-Weiß Durlach bildet dieser seither einen festen Bestandteil im Grötzinger Fastnachtskalender. Ein Jahr später, 1994, startete der erste Grötzinger Nachtumzug mit 400 Teilnehmern. Der Nachtumzug entwickelte sich schnell zu einem weit überregional bekannten Highlight, das 19-mal stattfand, bevor er 2012 aus Sicherheitsgründen eingestellt werden musste. 

Neue Gruppen neue Wege (1995 – 2006)

1995 übernahm Uwe Reiser das Amt des Zunftmeisters. Unter seiner Leitung wurden Kontakte zu befreundeten Vereinen und Zünften weiter ausgebaut. Vor allem die Freundschaft mit der KaGe Blau-Weiß Durlach und auch die Kooperation mit unseren Freunden aus St. Ingbert geht auf die Arbeit von Uwe Reiser zurück. Schon vor seiner Zeit als Zunftmeister war Uwe Reiser auf der Grötzinger Fastnachtsbühne bekannt. Zusammen mit Wolfgang Wangler brillierte er Jahr für Jahr als „Straßenfeger“ in der Bütt. 

Zum 3×11-jährigen Zunftjubiläum im Jahr 2001 ersetzte man den etwas eingestaubten Rosenmontagsball durch den Grötzinger Fasenachtsobend, der unter dem Motto „von Grötzinger für Grötzinger“ bis heute beliebt ist. Doch nicht nur die neugestaltet Veranstaltung am Rosenmontag geht auf die Ideen von Uwe Reiser zurück. 

Nach einem Jahr harter und intensiver Arbeit der 13 Gründungsmitglieder, feierte im Jahr 2005 die Figur des Feuerigen Mannes, inspiriert von einer Sagengestalt aus dem Grötzinger Heimatbuch seine Auferstehung. Auf dem Rathausplatz wurden das neue Häs und die unverwechselbare Maske des Feuerigen Mannes dem Grötzinger Narrenvolk präsentiert. Die Erweiterung unserer Zunftfamilie mit der Gründung der Feuerigen Männer geschah unter der Federführung unseres jetzigen Ehrenzunftmeisters Uwe Reiser.

Passend zur Grötzinger Straßenfasenacht und dem Nachtumzug werden Jahr für Jahr die Umzugsstraßen mit bunten Stoffbändeln geschmückt. Dieser närrische Ortsschmuck sowie auch der bekannte achteckige Holzverkaufsstand wurden durch Uwe Reiser angeschafft. 

Brauchtum konstant & traditionell (2006 – 2011)

2006 übernahm Thomas Burst das Amt des Zunftmeisters und lenkte die Geschicke der Zunft bis ins Jahr 2011. Aus privaten Gründen übergab er in der damaligen Mitgliederversammlung das Zepter an Uwe Herbold. Die Zunftmitglieder dankten ihm für sein Engagement mit Standing Ovation. Im selben Jahr, 2011 trat Peter Schwall in die Fußstapfen von Hubert Wingerath als Narrenrichter am Grötzinger Narrengericht. Die Anklage vor dem närrischen Kadi führt seit 2017 Thomas Tritsch als Narrenstaatsanwalt. 

Auch der Kinderumzug erlebte 2007 eine Neuauflage und führt seither am Fasenachtsdienstag die jüngsten Narren vom Kindergarten Kegelsgrund zum Rathausplatz. Ein wunderbares Bild, wenn hier Jahr für Jahr die jüngsten Narren durch die Grötzinger Straßen ziehen und die Fasenachtstradition bunt und lebendig halten. 

Tradition & Zukunft unter einem Dach (2011 – 2022)

2013 feierten die Noten-Chaoten ihr 22-jähriges Bestehen mit einem „Gugge gugge uff’m Platz“. Hier wurden auch die neuen Kostüme für das Jubiläumsjahr vorgestellt. 

Als Nachfolger für den traditionellen Nachtumzug wurde 2014 der Grötzinger Narrensprung aus der Taufe gehoben. Als traditionell alemannischer Umzug ist er der Höhepunkt der Grötzinger Straßenfasenacht.  

Der Grötzinger Narrensprung bietet mit seiner alemannischen Tradition für die ganze Familie ein buntes, friedliches und lustiges Fasenachtsprogramm. Er war ein wirklicher Glücksgriff für Zuschauer und Teilnehmer. Durch die ausschließliche Teilnahme von Fußgruppen, ist die Atmosphäre bei diesem Event sehr gemütlich und familiär. Die Zuschauer befinden sich unmittelbar im bunten und närrischen Geschehen. So etwas kann man in der Region nur in Grötzingen erleben. 

Schon seit Jahren war die Hottscheck Narrenzunft auf der Suche nach einem geeigneten Vereinsheim. Die Requisiten lagerten verteilt an verschiedenen Orten in Grötzingen. Der Traum von einem eigenen „Zuhause“ wurde dann im Jahr 2017 endlich zur Wirklichkeit. Die langjährig befreundete KaGe Blau-Weiß Durlach suchte nach einem Miteigentümer für ihr Vereinsheim im Lenzenhubweg. Nach mehreren Gesprächen unter Federführung von Uwe Herbold und Udo Dohm konnte die Hottscheck Narrenzunft endlich in ihr eigenes Vereinsheim einziehen. 

Seither ist der „Goldene Ochsenstall“ das neue Domizil der Hottscheck Narrenzunft. Hier finden neben verschiedenen Veranstaltungen wie dem Neujahrsempfang oder der Feuerigen Halloweenparty auch die wöchentlichen Proben und Trainingseinheiten der einzelnen Gruppen statt.

Aufgrund der Coronaeinschränkungen mussten neue Wege gesucht werden, die Zunftmitglieder zu erreichen. Die Digitalisierung fand Einzug in die Vereinsverwaltung und da man feststellte, dass es sehr gut funktioniert hat, wurde die digitale Informationsweitergabe sukzessive ausgebaut. Auch die Noten-Chaoten hielten sich an die Coronabeschränkungen und probten einfach unter freiem Himmel vor der Emil-Arheit-Halle. Alles natürlich unter Einhaltung der damals geltenden AHA-Regeln. 

Erfolgreicher Neustart (2023 – heute)

Ein großes Jubiläum stand im Jahr 2023 im närrischen Kalender. Pünktlich zum 5×11 jährigen Jubiläum der Hottscheck Narrenzunft wurden auch alle coronabedingten Einschränkungen aufgehoben, so dass wir dieses großartige Jubiläum mit allen Freunden feiern konnten. 
Und der närrische Neustart nach den trüben Coronajahren gelang. Nach vielen Jahren ohne unseren Hexensamen konnten wir auch wieder unsere Kleinsten auf der Bühne bestaunen. Die Kinder im Alter von zwei bis 9 Jahren verzaubern seither wieder die Herzen der Zuschauer. Wir sind stolz, dass mit den jüngsten Mitgliedern unserer Zunft die alemannische Tradition in Grötzingen weiterlebt. 
 
Nach dem großen Jubiläum stand im Jahr 2023 ein weiterer Neustart an. Nach 12 Jahren an der Spitze gaben Uwe Herbold als Zunftmeister und Udo Dohm als Narrenmeister ihre Ämter in die Hände ihrer Nachfolger. Als neuer Zunftmeister wurde Dirk Tallafuss gewählt, Narrenmeisterin wurde Nathalie Himmel und zum Narrenmeister wählten die Mitglieder Thomas Kleinbub. 
 
Nachdem das 30-jährige Jubiläum der Noten-Chaoten im Jahr 2021 den Coronabeschränkungen zum Opfer fiel, konnte die Guggenmusik der Hottscheck Narrenzunft 2024 ihr 3×11 jähriges Jubiläum feiern. Der Zunftabend war speziell in ein blaues Kleid gehüllt und stand ganz unter dem Stern des musikalischen Jubiläums. Außerdem luden die Noten-Chaoten Freunde und Sponsoren im Spätjahr zu einem zünftigen Oktoberfest ins Vereinsheim ein. Bei Weißwurst und Festbier wurde das närrische Jubiläum gebührend gefeiert. 
 
Eine ganz besondere Einladung erhielt wir aus dem Bundeskanzleramt. Olaf Scholz lud am 22.01.2024 zum Karnevalsempfang und wir durften als Hottscheck Narrenzunft die Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalsvereine in Berlin vertreten. Im frisch rausgeputzten Häs fuhr Laura Adam mit weiteren Vertretern des Verbadens nach Berlin. Ein unvergessliches Erlebnis und eine große Ehre für unsere Zunft! 
 
In der Kampagne 2026 fand auch die Gruppe der Hexenkids wieder einen Neustart. Mit einem eigenen Tanz präsentierten sich die jungen Mitglieder der Zunft dem Publikum. Die Hexenkids im Alter zwischen 10 und 16 Jahren, strahlen das positive Wachstum der Hottscheck Narrenzunft aus. Die Jugend feiert und belebt gemeinsam mit allen Zunftmitgliedern das traditionelle Grötzinger Fasenachtsbrauchtum.  
 
Das Jahr 2026 geht als das Jahr der drei Jubiläen in die Zunftgeschichte ein. Denn der Narrensprung fand in seiner 11. Auflage statt. Die Feuerigen Männer feierten ihr 2×11 jähriges Bestehen und das Grötzinger Narrengericht fand sich zu seiner 33. Verhandlung auf dem Rathausplatz ein. 
 
Und auch das Jahr 2027 bietet Neues für die Grötzinger Närrinnen und Narren. Das zweite Verbandsnarrentreffen der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalsvereine wird am 22.01.2027 und am 24.01.2027 in Grötzingen ausgerichtet. Freitags findet der erste Zunftball in der Begegnungsstätte Grötzingen satt und sonntags steht der 12. Grötzinger Narrensprung ganz im Zeichen der Vereinigung Badisch Pfälzischer Karnevalsvereine. 

Grötzingen – Wo Brauchtum zuhause ist.

Die Hottscheck Narrenzunft verbindet bis heute Tradition und Gegenwart. Dies zeigt sich im Fasenachtsbrauchtum, bei Veranstaltungen wie dem Hexenmarkt, dem Weinmarkt, dem Zunftabend oder auch dem Narrensprung. Zudem bringen wir uns, unter anderem bei der Kulturmeile und den Grötzinger Vereinsnachrichten, aktiv in das Ortsgeschehen mit ein.

Gruppenbild der Hottscheck Narrenzunft Grötzingen mit Mitgliedern in Häs