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Die Geschichte der Zunft


Der als badisches Malerdorf bekannte Karlsruher Stadtteil Grötzingen gibt mit seinen alten Fachwerkhäusern, darunter das 300 Jahre alte Rathaus und die über 700 Jahre alte evangelische Kirche, den historischen Hintergrund für die noch relativ junge Zunft.

1968 gegründet, erinnern die Hottscheck-Hexen mit ihrem Namen an eine im Grötzinger Heimatbuch erwähnte Hexe sowie an eine, viele Jahrhunderte zurückliegende Begebenheit, der die Grötzinger ihren Beinamen „Hottscheck“ verdanken. Von den hierüber bestehenden Überlieferungen ist folgende am bekanntesten:

Beim Streit um eine Kirchenglocke einigten sich die Orte Grötzingen und Wolfartsweier, die Angelegenheit durch zwei Ochsengespanne entscheiden zu lassen. Mann spannte beide vor einen Karren, die einen vorn, die anderen hinten, wobei jedes Ochsenpaar versuchen musste, das Gefährt mit der darauf befindlichen Glocke nach ihrer Seite zu ziehen. Die Grötzinger Ochsen, lautstark  mit „Hott Scheck, Hott Scheck, Gretzinge zu“ angefeuert, wurden Sieger und so erhielten die Grötzinger nicht nur ihre noch heute in vorstehend erwähnter Kirche hängende Glocke, sondern auch Ihren Beinamen.

 

 

22.Februar 1968. Am schmutzigen Donnerstag findet im Gasthaus „Zum Goldenen Ochsen“ in Grötzingen das traditionelle Fasenachtsschnurren statt. Die Wirtsleute Anne und Karl Kurz, beide Liebhaber der alemanischen Fasenacht, und einige Freunde dieses alten Brauchtums sorgten von jeher für die Erhaltung dieses geselligen Beisammenseins.

An diesem besonderen Abend im Jahre 1968 wurde jedoch eine folgenreiche Idee geboren. Am darauffolgenden Sonntag, beim Umzug in Durlach, waren sie da: Die „Pfinztal-Hexen“ von der „Hatten-Hätten-Hohl“.

 

 

Am 11.11.1968 wurde die Hexenzunft offiziell gegründet und schon am 13.Februar 1969 erschallte beim Sturm auf das Grötzinger Rathaus zum ersten Mal der Hexenruf: „Narri Narro – d` Hottscheck-Hex isch do!“ Bürgermeister Herbert Schweizer und seine Gemeinderäte wurde abgeführt und musste den Rathausschlüssel übergeben.

Am 29.Februar 1972 wurde die Zunft unter dem Namen „Hottscheck-Hexenzunft“ Grötzingen 1968 e.V. ins Vereinsregister beim Amtsgericht Durlach eingetragen. Die Grötzinger Bürger waren vom Treiben der „Hottscheck-Hexen“ so angetan, dass nicht nur die Mitgliederzahlen ständig wuchsen, sondern sich auch die Veranstaltungen eines derart guten Besucherzustromes erfreuten, dass der „Goldene Ochsen“, als traditioneller Versammlungsort, aus allen Nähten platzte und die Zunftabende in die TSV-Turnhalle auf dem Grollenberg verlegt wurden. Doch auch diese Halle wurde bald zu klein. Nach dem Bau der Emil-Arheit-Halle im Jahr 1979 entschloss man sich erneut zum Umzug in ein größeres „Gemäuer“.

 

 

Das Narrentreiben wurde immer vielfältiger und im Vereinsleben der Grötzinger waren die Hexen bald nicht mehr wegzudenken. Die närrischen Geburtstage in den Jahren 1979 (1 x 11 Jahre), 1990 (2 x 11 Jahre) und 2001 (3 x 11 Jahre) wurden zünftig gefeiert und bei verschiedenen Fasnachtsveranstaltungen, wie beispielsweise in Aulendorf, Bad Canstatt, Bad Dürrheim, Oberkirch sowie im Saarland, Elsaß und der Schweiz waren die Grötzinger Hexen auch überregional bald ein Begriff.

Bereits seit der Kampagne 1969 haben die Grötzinger Hexen ihr eigenes Gewand. Es besteht aus einer lila, grün oder blau geblümten Jacke („Peter“), blauer längsgestreifter Schürze, ratem Taschentuch, rotem Rock mit schwarzem Samtband, blauweiße Ringelstrümpfe, weiße rocklange Spitzenunterhosen sowie Strohschuhe und ein Besen aus geschnittenem Bambusreisig. Die Krone des Kostüms ist natürlich die wunderschöne handgeschnitzte Holzmaske mit dem charakteristischen roten Kopftuch mit den schwarzen Punkten. Die wird seit ihrer Einführung im Jahre 1973 von Holzbildhauermeister Konrad Wernet in Elzach im Schwarzwald gefertigt.

Höchste Auszeichnung der Zunft ist der „Hottscheck-Orden in Silber“ der an Personen verliehen wird, die sich um den Erhalt und die Pflege der Grötzinger Fasenacht, altem Brauchtum und heimatlichem Kulturgut verdient gemacht haben. Ihn bekamen bisher der Restaurator von Schloß Augustenburg Herr M. Pressler, der Bürgermeister und Ortsvorsteher a.D. Herbert Schweizer, der Zunftgründer, langjährige Zunftmeister und jetzige Ehrenzunftmeister Gerhard Vogt und der Ortsvorsteher Armin Ruf. Zusätzlich wurden in den vergangenen Jahren über 20 Ehrenhexen ernannt.

 

 

Die Grötzinger Fasenacht wird am Freitag vor dem schmutzigen Donnerstag mit einem Nachtumzug und Narrentreffen eingeläutet. Am Fasenachtssamstag wird in der Emil-Arheit-Halle der Zunftabend abgehalten, in der am Rosenmontag auch die Hexenparty stattfindet. Fasenachtsdienstag ist dann Hexenmarkt auf dem Rathausplatz, wo in den Abendstunden mit der Hexenverbrennung die Fasenachtskampagne zu Ende geht.

Im Zuge der Öffnung für weitere Narrengruppen wurde im Jahre 1990 aus der Hexenzunft die „Hottscheck-Narrenzunft Grötzingen“. Der Zunft gehören mittlerweile ca. 370 Mitglieder an. Neben dem Hexenballett setzt die Zunft mit einer Kinder-, Jugend- und Schautanzgruppe sehr stark auf die Jugendarbeit. Die Bastellgruppe fertigt in Handarbeit die hübschen kleinen Hexenpuppen und über das Jahr hinweg gibt es in der Zunft viele gemeinsame Aktivitäten.

Seit dem 11.11.1991 belebt die Guggemusikgruppe „Noten-Chaoten“ zusätzlich das Zunftgeschehen.

Außerdem wurde seit neustem eine weitere Narrenfigur, der Feuerige Mann geschaffen.

Alles in allem haben die Grötzinger Hexen einen maßgeblichen Teil zum Erhalt und zur Belebung der alemanischen Fasenacht in unserer Region beigetragen und dadurch über die Landesgrenzen hinaus grosses Ansehen erlangt. Die liebevoll gepflegte Zunft ist sicherlich für Jedermann und-frau ein lebendiger Begriff von heimatverbundenem Brauchtum geworden und so unentbehrlich wie die Heimat selbst. Sie ist ein wichtiger Teil unseres Kulturerbes, dass es, angeknüpft an andere Traditionen, zu erhalten gilt.

 

In diesem Sinne: „Narri-Narro – d`Hottscheck-Hex isch do!“